Genossenschaftsanteile kosten zusammen etwa 500 bis 3.000 Euro
Nach Angabe des Wohnungsverbands GdW zahlen Mitglieder für eine Wohnung zusammen etwa 500 bis 3.000 Euro Anteile ein. Bei neu gegründeten Genossenschaften sind es auch um die 10.000 Euro und mehr. Die Zahl der Anteile hängt in der Regel von der Wohnungsgröße ab.
Ein einzelner Anteil kostet 150 Euro bei der FREIHEIT in Halle, beim Wohnungsverein Hamburg von 1902 und bei der altoba in Hamburg. Die Berliner 1892 verlangt 300 Euro. Bei der Halleschen Wohnungsgenossenschaft FREIHEIT kosten 6 Anteile für eine Einraumwohnung bis 30 Quadratmeter zusammen 900 Euro. Für eine Fünfraumwohnung über 140 Quadratmeter sind es 20 Anteile, zusammen 3.000 Euro. Beim Wohnungsverein Hamburg von 1902 kosten 16 Anteile für ein Zimmer 2.400 Euro.
| Genossenschaft | Preis je Anteil | Anteile für eine Wohnung | Summe der Anteile | Eintrittsgeld |
|---|---|---|---|---|
| Hallesche Wohnungsgenossenschaft FREIHEIT | 150 Euro | 6 bis 20, je nach Größe | 900 bis 3.000 Euro | 35 Euro |
| Wohnungsverein Hamburg von 1902 | 150 Euro | 16 für 1 Zimmer, 20 für 2 Zimmer | 2.400 und 3.000 Euro | 100 Euro |
| altoba, Hamburg | 150 Euro | je nach Größe, Ausstattung und Lage | im Schnitt 3.000 Euro für 2 Zimmer im Altbau | keine Angabe |
| Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 | 300 Euro | 2 für die Mitgliedschaft, weitere je nach Größe | 600 Euro plus weitere Anteile | 300 Euro |
Bei Neubauten der altoba rechnen Sie mit etwa 75 Euro je Quadratmeter Wohnfläche. Bei 60 Quadratmetern sind das rechnerisch 4.500 Euro, mehr als die Spanne des GdW.
Wofür die Genossenschaft Ihr Geld braucht
Die Anteile sind das Eigenkapital der Genossenschaft, also das Geld ihrer Mitglieder im Unternehmen. Überschüsse setzt sie nach Angabe des GdW für Instandhaltung, Neubau, Dienstleistungen und das Wohnumfeld ein.
Die Satzung darf mehrere Pflichtanteile vorschreiben, wenn die Pflicht für alle gleich ist oder sich nach der Nutzung von Leistungen richtet. Bei Wohnungsgenossenschaften bestimmt deshalb in der Regel die Wohnungsgröße die Zahl der Anteile. Ob ein Eintrittsgeld zurückgezahlt wird, sollten Sie erfragen.
Bringen Genossenschaftsanteile eine Dividende?
Das kann sein, muss aber nicht. Eine Dividende ist der Anteil am Gewinn, den die Genossenschaft ihren Mitgliedern zuteilt. Macht sie Gewinn, wird er den Mitgliedern gutgeschrieben, und die Satzung kann bestimmen, wie viel davon ausgezahlt wird. Hat ein Verlust Ihr Guthaben gemindert, zahlt die Genossenschaft keinen Gewinn aus, bis das Guthaben wieder aufgefüllt ist.
Die altoba in Hamburg nennt in ihrer Satzung höchstens 4 Prozent, und die Vertreterversammlung, also die Versammlung gewählter Mitgliedervertreter, setzt die Höhe jedes Jahr fest. Bei 3.000 Euro Anteilen wären das höchstens 120 Euro im Jahr. Um einen Steuerabzug auf die Dividende zu vermeiden, verlangt die altoba einen Freistellungsauftrag.
Der GdW sieht Anteile an einer Wohnungsgenossenschaft nicht als Geldanlage. Wer sich beteiligt, sollte irgendwann dort wohnen wollen. Wie Sie eine Genossenschaftswohnung bekommen, hängt vom Verfahren der Genossenschaft ab.
Wann bekommen Sie Ihre Anteile zurück?
Der Auszug allein bringt Ihr Geld nicht zurück. Wohnung und Mitgliedschaft enden getrennt, und beide brauchen eine eigene Kündigung.
Mitgliedschaft kündigen
Sie können nur zum Schluss eines Geschäftsjahres kündigen, also des Wirtschaftsjahres der Genossenschaft, und mindestens 3 Monate vorher. Die Satzung darf eine längere Frist von höchstens 5 Jahren bestimmen. In den beiden Hamburger Beispielen muss die Kündigung bis zum 30.09. vorliegen.
Wohnung kündigen
Der Vertrag über die Wohnung ist ein eigener Vertrag. Er endet nicht mit der Mitgliedschaft, und die Mitgliedschaft endet nicht mit dem Auszug.
Mit der Genossenschaft abrechnen
Die Genossenschaft rechnet anhand ihrer Bilanz mit Ihnen ab. Auf Rücklagen und das übrige Vermögen haben Sie keinen Anspruch.
Guthaben erhalten
Ihr Guthaben ist binnen 6 Monaten nach Ende der Mitgliedschaft auszuzahlen, wenn die Satzung nichts anderes bestimmt. Beim Wohnungsverein Hamburg von 1902 kommt es Ende Juni des Folgejahres, bei der altoba im darauffolgenden Sommer.
Verzögerungen einplanen
Legt die Satzung ein Mindestkapital fest, ruht die Auszahlung, solange sie es unterschreiten würde. Nach der Verbraucherzentrale vergehen bis zum Geld auf dem Konto teils Monate, teils Jahre.
Wie sicher sind Anteile im Vergleich zur Kaution?
Eine Kaution darf höchstens das Dreifache der Monatsmiete ohne Betriebskosten betragen, und Sie dürfen sie in 3 gleichen Monatsraten zahlen. Anteile liegen nach Angabe des GdW bei etwa 500 bis 3.000 Euro.
| Merkmal | Mietkaution | Genossenschaftsanteile |
|---|---|---|
| Höhe | Höchstens 3 Monatsmieten ohne Betriebskosten | Die Satzung legt sie fest, nach GdW etwa 500 bis 3.000 Euro |
| Zahlung | In 3 gleichen Monatsraten möglich | Ob Raten möglich sind, regelt die Satzung |
| Erträge | Zinsen stehen dem Mieter zu | Dividende, wenn die Genossenschaft sie beschließt |
| Verlust möglich? | Das Geld muss getrennt vom Vermögen des Vermieters liegen | Verluste der Genossenschaft können Ihr Guthaben mindern oder aufzehren |
| Weitere Zahlungen möglich? | Die Kaution selbst ist auf 3 Monatsmieten begrenzt | Ja, wenn die Satzung eine Nachschusspflicht vorsieht, also eine Pflicht zum Nachzahlen |
Ob neben den Anteilen eine Kaution fällig wird, steht im Vertrag. Der Wohnungsverein Hamburg von 1902 verlangt keine. Fragen Sie vor der Unterschrift danach.
Müssen Sie bei einer Insolvenz Geld nachzahlen?
Ob Sie nachzahlen müssen, steht in der Satzung. Diese Pflicht heißt Nachschusspflicht. Sie greift, wenn die Genossenschaft zahlungsunfähig ist und ihr Vermögen nicht reicht, um die Gläubiger zu bezahlen. Das Gesetz kennt drei Möglichkeiten. Die Satzung schließt die Nachzahlung aus, begrenzt sie auf eine feste Höchstsumme, die Haftsumme, oder lässt sie unbegrenzt zu.
Die Beitrittserklärung muss eine solche Pflicht ausdrücklich nennen. Bei elektronischen Formularen muss sie sogar optisch hervorgehoben sein.
Schließt die Satzung die Nachschusspflicht aus?
Dann riskieren Sie Ihre Anteile und offene Raten, aber keine Nachzahlung.
Nennt die Satzung eine Haftsumme?
Dann müssen Sie höchstens bis zu dieser Summe nachzahlen, zusätzlich zu Ihren Anteilen.
Dann kann die Nachzahlung unbegrenzt sein und wird gleichmäßig auf alle Mitglieder verteilt, wenn die Satzung nichts anderes regelt. Lassen Sie den Beitritt vorher prüfen.
Nach Angabe des GdW regeln nur wenige Wohnungsgenossenschaften eine Nachschusspflicht. Er hält sie für unschädlich, wenn genug Vermögen da ist, und führt sie doch unter den Alarmsignalen auf, die Sie genauer prüfen sollten, wenn mehrere zusammentreffen.
Insolvenzen sind bei Wohnungsgenossenschaften selten. Der GdW nennt für die Wohnungsgenossenschaften in seinem Verbund eine Insolvenzquote von rund 0,11 Prozent, bei neu gegründeten liege das Risiko deutlich höher.
Woran Sie unseriöse Genossenschaften erkennen
Manche Anbieter nutzen den guten Ruf von Wohnungsgenossenschaften, um Anteile als Geldanlage zu verkaufen. Warnzeichen laut Verbraucherzentrale und GdW sind diese.
- Werbung mit verdächtig hohen Renditen, vermögenswirksamen Leistungen oder Wohnungsbauprämien
- Verkauf von Anteilen durch Anrufe aus einem Call-Center
- Viel mehr Mitglieder als Wohnungen
- Unklare Verwendung des Geldes, etwa für Hotels oder Immobilienfonds statt für Wohnungen
- Aufnahme von Mitgliedern, die nur Geld anlegen und nicht mitstimmen dürfen
Häufige Fragen
Wie viele Genossenschaftsanteile muss ich für eine Wohnung zeichnen?
Wie viele Anteile Sie zeichnen müssen, legt die Satzung Ihrer Genossenschaft fest, und die Zahl hängt in der Regel von der Wohnungsgröße ab. Beim Wohnungsverein Hamburg von 1902 sind es 16 Anteile für ein Zimmer und 20 für zwei. Insgesamt nennt der GdW etwa 500 bis 3.000 Euro.
Bekomme ich meine Genossenschaftsanteile zurück, wenn ich ausziehe?
Ja, Sie bekommen Ihre Genossenschaftsanteile zurück, wenn Sie die Mitgliedschaft kündigen und keine Verluste Ihr Guthaben gemindert haben. Der Auszug allein beendet die Mitgliedschaft nicht. Das Gesetz sieht die Auszahlung binnen 6 Monaten nach Ende der Mitgliedschaft vor, die Satzung kann eine andere Frist bestimmen.
Zahlt eine Wohnungsgenossenschaft eine Dividende auf Genossenschaftsanteile?
Manche Wohnungsgenossenschaften zahlen eine Dividende, aber nur bei Gewinn. Die Satzung regelt, wie viel davon ausgezahlt wird, und die Versammlung beschließt die Höhe. Die altoba in Hamburg nennt in ihrer Satzung höchstens 4 Prozent.
Muss ich bei einer Insolvenz der Genossenschaft nachzahlen?
Ob Sie bei einer Insolvenz der Genossenschaft nachzahlen müssen, hängt von der Satzung ab. Schließt sie die Nachschusspflicht aus, verlieren Sie höchstens Ihre Anteile und offene Raten. Nennt sie eine Haftsumme oder keine Grenze, müssen Sie zusätzlich nachzahlen. Eine solche Pflicht muss in der Beitrittserklärung ausdrücklich stehen.
Ersetzen Genossenschaftsanteile die Mietkaution?
Genossenschaftsanteile ersetzen die Mietkaution nicht immer. Der Wohnungsverein Hamburg von 1902 verlangt für seine Wohnungen keine Kaution. Ob es bei Ihrer Genossenschaft ebenso ist, steht im Vertrag. Eine Kaution darf höchstens 3 Monatsmieten ohne Betriebskosten betragen.
Sind Genossenschaftsanteile eine sichere Geldanlage?
Nein, Anteile an einer Wohnungsgenossenschaft sind nach dem Verband GdW generell keine Vermögensanlage. Verluste der Genossenschaft können Ihr Guthaben aufzehren, und bis zur Rückzahlung können Monate bis Jahre vergehen.
